Reha-Kolloquium: Hohe Erwartungen an die Digitalisierung

Die Digitalisierung in der Rehabilitation wird mit Erwartungen überhäuft. Beim Reha-Kolloquium in Nürnberg Mitte März habe ich den Eindruck bekommen, dass die Erwartung überaus hoch sind: Digitale Apps, die digitale Vernetzung, die papierlose Patientendokumentation sollen in Zukunft viele der anstehenden Herausforderungen meistern. In Plenarsitzungen und Diskussionsforen wurde beschworen, dass sich mit der Digitalisierung „Zeit sparen“ ließe. Eine erste aktuelle Erkenntnis aber ist: Die bevorstehende Umstellung auf digitale Prozesse und die Entwicklung von digitalen Therapieangeboten wird in den nächsten Jahren vor allem Zeit, Kraft und Geld kosten. Dr. Manuela Lenzen, Philosophin und KI-Expertin, räumte im ersten Plenarvortrag auf mit möglicherweise übersteigerten Erwartungen: „KI macht nach wie vor Fehler. Wer damit arbeitet, muss sich in dem Feld auskennen und mögliche Fehler erkennen.“ Klar wurde, KI wird in nächster Zeit keine Arbeit abnehmen, keine Zeit sparen, sondern ist bislang vor allem ein Forschungsfeld, mit dem die menschliche Intelligenz nachgebildet werden soll. Das Ausprobieren und Trainieren der KI ist aktuell wichtig, aber nicht in Bereichen anwenden, so mahnte Lenzen, in denen die Expertinnen und Experten selbst kein Wissen hat. Denn: „Je automatisierter eine Aufgabe ist, desto wichtig ist der Mensch“.

Das Thema Digitalisierung zog sich wie ein roter Faden durch die Kongresstage. Gerade im Bereich der Reha-Nachsorge ist schon viel passiert – tausende von Nachsorge-Leistungen wurden bereits digitalisiert. Die Nachsorge ist sicherlich ein Einsatzfeld, das erfolgversprechend und gewinnbringend für viele Seiten ist. Videos zu Bewegung und Sport erleichtern es, dass zuhause weiter geübt wird. Das Erlernte aus der Reha wirkt nach. Für die Zukunft gilt es die „DigiFlexReha“ zu entwickeln: Wie lässt sich die Digitalisierung auch während der Reha nutzen und etablieren? Die DRV sucht Kliniken, die dazu Konzepte entwickeln und erproben wollen.

Der jährlich im Frühjahr stattfindende Rehabilitationswissenschaftliche Kongress ist der größte und wichtigste seiner Art in Deutschland. Rund 1.800 Experten aus Forschung, Praxis, Politik und Verwaltung und 58 Fachaussteller waren 2025 in Nürnberg dabei.

Mehr Infos: Presseportal der DRV Bund

 

Nach oben scrollen